Arbeitskampf bei der Diakonie

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitsrecht, Gesundheit und Soziales, Repression, Solidarity on 20. Februar 2026 at 23:22

Der FSW streicht seit einem halben Jahr Gelder im Sozialbereich, daß einem schwindlig werden könnte. Zehntausende Schicksale werden existenzbedroht. Auch die Sozial-Arbeitenden trifft es besonders hart. Wieder einmal müssen ganze Abteilungen schließen. Anscheinend wird die gesamte Ukrainehilfe in Wien komplett dichtgemacht. Die Diakonie exekutiert folgsam das Sparprogramm der Sozialdemokratie und kündigt jedenfalls derzeit einen Haufen Menschen.

Soweit – so kapitalismusimmanent. Die Sache ist nur, die Diakonie hält sich selbst dabei nichteinmal an die bürgerlichen Mindeststandards des Arbeitsrechtes. Einer Genossin des WAS, die seit mehreren Jahren eine Vollzeitstelle bei der Ukrainehilfe hat, wurde im Herbst eröffnet, daß sie nicht in die kleine neu zu schaffende Abteilung übernommen wird, sondern auch gekündigt werden soll. Als Grund wurde auch gleich genannt, dass es der Diakonie nicht gepaßt habe, dass sie sich öffentlich für eine Arbeitskollegin eingesetzt hat. Die Diakonie hätte eigentlich eine Entlassung vornehmen wollen, aber man brauche ihre Arbeitskraft noch einige Monate bis zur endgültigen Liquidierung der Ukrainehilfe.

Anschließend wurde selbst die Kündigung für nahezu zwei Monate nicht ausgesprochen. Es kam zu einigen Ungesetzlichkeiten seitens der Diakonie, als dann Mitte Jänner eine Kündigung mit einem mehrere Tage zurückliegenden Datum überreicht wurde.

Das WAS hat die Genossin unverzüglich dabei unterstützt eine Kündigungsanfechtungsklage wegen „Nichteinhaltung des Vorverfahrens“ sowie „Kündigung aus verpönten Motiven“ am Arbeitsgericht Wien einzubringen. Dafür mussten wir schnell handeln, da für Kündigungsanfechtungsklagen ja nur zwei Wochen Zeit sind. Zwar hat die Diakonie gecheckt, daß sie irgendwie Mist gebaut haben und nach einer Woche nun eine Eventualkündigung hinterhergeschossen, womit ein neues Vorverfahren die Fristen eingehalten hätte, jedoch die verpönten Motive bestehen weiterhin. Hofft man, daß diese sich – mit Gottes Hilfe – einfach in Luft auflösen, … ?

Also haben wir auch die zweite Kündigung geklagt. Als kleine Basisgewerkschaft sind wir immer wieder über den Dilettantismus von großen Organisationen verwundert. Der Diakonie Flüchtlingsdienst beschäftigt laut letzten Eigenangaben 1222 Menschen in Wien, es gibt eine bezahlte Personalabteilung, deren einzige Aufgabe es in diesem Fall wäre, Anstellungen und Kündigungen gesetzeskonform vorzunehmen. Aber nein, …

So wird auch die Diakonie lernen müssen, daß man ArbeiterInnen – besonders Organisierte – nicht wie Gegenstände behandeln kann. Das unwürdige, erniedrigende und für HacklerInnen sehr belastende Schauspiel; wir wollen Dich entlassen – wir kündigen dich „nur“ – wir kündigen Dich dann doch nicht – dann kündigen wir Dich zwei Monate später ohne Vorverfahren – dann kündigen wir Dich noch einmal, aber immer noch ungesetzlich – werden wir nicht unwidersprochen hinnehmen. Auch das, bis in die höchsten Führungsebenen gepflegte, „Du“ wird uns nicht davon abhalten, die Einhaltung von minimalen bürgerlichen Rechten zu durchzusetzen.

Auch die Volkshilfe Wien und Jugend am Werk mussten die Erfahrung machen, daß eine anarchistische Basisgewerkschaft durchaus schlagkräftig agieren kann und für Aufsehen und Publicity sorgt, wenn es sein muß. Am Ende haben sie dann Alle Berechnungen zu ihren wichtigsten Assets – sprich zum möglichen Imageverlust – angestellt.
„Diakonie ist organisierte Nächstenliebe und Einsatz für soziale Gerechtigkeit“ heißt es als erster Satz über den Sozialverband der Evangelischen Kirche in Österreich auf deren Webseite. Daß dem nicht so ist, können wir dabei belassen, dass wir einen offiziellen WAS-Brief geschickt haben, indem wir sie über ihre arbeitsrechtlichen Verfehlungen aufgeklärt haben sowie es in diesem Artikel zu thematisieren – und uns dann wieder Wichtigerem zuwenden. Wenn sich nichts bewegt, werden wir neben dem Arbeitsgericht auch eine umfassende gewerkschaftliche Kampagne zum Umgang der Diakonie mit ihren HacklerInnen starten.

Veröffentlicht auf wiensyndikat.wordpress.com am 20. 02. 2026. Kopieren mit Quellenverweis möglich.


Source: WAS Autriche

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