Schämts euch, Diakonie!

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Gesundheit und Soziales on 20. April 2026 at 11:35

Bericht zur außerordentlich erfolgreichen Kundgebung am 18. April 2026

Ausgangspunkt ist, daß die Leitungsebenen der Diakonie bis Dato die ungerechtfertigte Verwarnung unserer gekündigten Genossin – da sie WAS-Flugzettel mit in die Firma gebracht hat – noch nicht zurückgezogen haben, und daß die Diakonie sich weiterhin tot stellt und so tut als ob man eine Gewerkschaft komplett ignorieren kann und jegliche Kommunikation verweigert. Daher überlegen wir uns Aktionen, die direktere Auswirkungen haben. Diesmal das jährliche Benefizkonzert im kircheneigenen Veranstaltungszentrum „Albert Schweizer Haus“, wo der Herr Ex-Bischof der evangelischen Kirche mit seiner Band die alten Rock- und Blues-Hødern zum Besten gibt.

Das Leiwande ist, daß wir dort die Hautevolle der evangelischen Bubble in Wien angetroffen haben, die als Gäste dem schlagzeugenden Bischof a.D. zu lauschen geplant haben. Es war Samstag Abend und Alle sehr entspannt. So ist es dann auch zu sehr vielen guten Gesprächen mit den durchwegs – selbstwahrnehmender Weise – nächstenliebenden KonzertbesucherInnen gekommen. Wir haben dutzende längere Konversationen über die Vorgänge innerhalb des Diakonie-Flüchtlingsdienstes führen können. Rund 80% der Menschen haben unsere Flugzettel genommen und viele Reaktionen waren ernsthaft interessiert und die Menschen auch teilweise schockiert.

Das von uns derart informierte Publikum gehört auch zu besser situierten Bevölkerungsteilen und wir haben ihnen konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt (siehe Flugzettel). Einige davon haben angekündigt, ihre Spenden an die Diakonie tatsächlich einzustellen. Mehrere BesucherInnen sind nach einer Stunde wieder aus dem Konzertsaal zu uns gekommen, haben Nachfragen gestellt oder uns gesagt, daß sie jetzt den Flugzettel durchgelesen haben und ihre durchaus 4-stelligen Eurobeträge dieses mal nicht an die Diakonie spenden werden. Ältere feine Damen haben uns mitgeteilt, daß sie es gut finden, daß die Gewerkschaft da etwa tut. Viele haben uns beigepflichtet daß es so nicht geht. Auch gab es Aussagen wie „eigentlich mag ich den Anarchosyndikalismus ja“, wo wir uns dann die Gegenfrage „aber nicht wenn’s gegen die eigene Firma geht?“ nicht verkneifen konnten.

Sehr spannend auch, daß die Leitungsebenen selbst intern niemandem mitgeteilt haben, daß sie versuchen uns zu ignorieren und nicht auf Mails, Telefonanrufe und eingeschriebenen Briefe reagieren. ArbeiterInnen aus den Leitungsbüros haben es sehr interessant gefunden, sich unsere Perspektive genauer anzuhören und auch ein bissl aus dem Nähkästchen geplaudert, …

Lediglich eine Handvoll Reaktionen war negativ oder skeptisch. Einer hat seine ca. 10-jährigen Kinder wieder ins Schweizerhaus gerufen – mit den Worten „ich hab euch gesagt, gehts da nicht raus, man weiß ja nie, was die da machen“. Zur allgemeinen Beruhigung, nein, wir essen keine Kinder!

Der Abend war aus unserer Sicht höchst erfolgreich. Das Thema „Leitungsstil“ dürfte nun ausreichend internen Gesprächsstoff bieten. Mit nur einem Dutzend GenossInnen – inklusive Besuch der kroatischen Schwester-Gewerkschaft MASA – und ein paar hundert Flugzettel so viel positives Feedback und reale Auswirkungen zu erreichen, hätten wir zuvor selbst nicht erwartet. Die ökonomischen Auswirkungen auf die Diakonie dürften jetzt schon größer sein, als wenn man sich vor einigen Wochen gemeinsam mit der unter dubiosen Umständen gekündigten Kollegin um eine außergerichtliche Lösung bemüht hätte, wie wir es immer angeboten haben!

Selbst die Bezirkspolizei, die zweimal vorbeigeschaut hat, war wieder sehr zutraulich, zuvorkommend und irgendwie sogar verbal solidarisch. Man hat uns viel Erfolg gewünscht und unser Anliegen wohlwollend wahrgenommen. Irgendwie schräg, aber auch nicht das Schlechteste.

Die Leitungsebene der Diakonie selbst reagiert jedenfalls schon indirekt. Neue „zu Kündigende“ KollegInnen“ der Ukrainehilfe werden jetzt gedrängt, eine „Einvernehmliche“ zu unterschreiben und „dürfen“ dafür sechs Monate länger in einer anderen Abteilung weiterarbeiten. Auch nicht ganz koscher, aber zu mindestens scheinen unsere Aktionen schon ganz konkrete Auswirkungen zu haben.

Wir bleiben jedenfalls dran, werden weiter lustvoll zeigen, daß wir als organisierte ArbeiterInnen uns nicht alles gefallen lassen und mit kreativen Methoden zeigen, daß über uns keinerlei Macht ausgeübt werden kann von überforderten und unprofessionellen Chefetagen.

Artikel veröffentlicht am 20. April 2026 auf wiensydikat.wordpress.com. Kopieren mit Quellenverweis möglich.


Source: WAS Autriche

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