Denn einerseits belasten die marktorientierten Arbeitsbedingungen das Personal in allen Einrichtungen der Kranken-, Kinder- und Altenpflege mit Leistungsdruck, Konkurrenz, Kommerzialisierung, Stellenabbau und Burn-out: in Akutkrankenhäusern, Reha-Kliniken, Psychiatrien und Pflegeheimen, sowie in Sozialdiensten, bei Physio-, Ergo-, Logo- und Psycho-Therapie, in Behinderten-Einrichtungen, betreuten Wohngemeinschaften, Gesundheitsszentren, Geburtshäusern, Arztpraxen, Hospizen und Apotheken.
Andererseits sind immer mehr Arbeiter*innen weltweit von den katastrophalen Folgen der industriellen Naturzerstörung – auch ihrer eigenen Körper und Psyche – betroffen. Im Fachbereich Gesundheit steht daher die faktenbasierte Aufklärung über alle bio-psycho-sozialen Folgen von Erderhitzung und Artensterben im Mittelpunkt.
Denn die Klimakämpfe um Wasserzugang, Ernährungssicherheit, Energieversorgung und Mobilitätswende haben immer auch eine soziale Dimension: Wer muss die Kosten tragen für eine dringend nötige Umgestaltung des fossilen Kapitalismus angesichts des Scheiterns staatlicher Versprechen, wie dem Green New Deal? Erkennen wir den Klimawandel als Klassenkampf und organisieren uns gegen die Ausbeutung der Menschen und ihrer Mitwelt!
Betrieblicher Umwelt- und Klimaschutz spielt dabei eine zentrale Rolle für die Umgestaltung der Wirtschaft im Sinne von naturverträglicher Nachhaltigkeit. Wenn es gelingt, den sozial-ökologischen Wandel gemeinsam mit einer Anpassung an die Folgen des Klimawandels (wie Hitze, Dürre, Stürme, Hochwasser und Seuchen) umzusetzen, besteht dabei eine Chance zum Aufbau nachhaltiger Arbeitsplätze.
Das Gesundheitswesen hat dabei die Aufgabe, die vielfältigen Belastungen für Körper und Geist rechtzeitig zu erkennen, um durch wissenschaftliche Forschung und evidenzbasierte Aufklärung für alle Menschen die geeignete Vorbeugung vor Krankeiten bzw. Verletzungen zu bieten, sowie um durch wohnortnahe, traumasensible Versorgung die natürliche Heilung achtsam zu unterstützen. Dabei darf nicht die Kaufkraft, der Versicherungsstatus oder die Staatsbürgerschaft darüber entscheiden, ob jemand die benötigte Hilfe bei der solidarischen Gesundheitsförderung zusteht.
Auch Menschen ohne Papiere oder Krankenversicherung haben das Grundrecht auf angemessene medizinische und psycho-soziale Versorgung, auch mit wirksamen Arzneimitteln und hygienischen Medizinprodukten. Inklusionsorientierte Beratung und personenzentrierte Behandlung müssen daher nicht nur jenseits staatlicher Ausgrenzung transnational ermöglicht werden, sondern auch unabhängig von Ausweis-Dokumenten und Wohnsitz-Nachweisen.

Der Zusammenhang von neo-kolonialer Ausbeutung des Globalen Südens und (auch) durch Klimazerstörung und Rohstoff-Kriege bedingten Fluchtbewegungen sollte nicht unterschätzt werden. Das Recht auf Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe ist daher eng verbunden mit einer Ablehnung von Rassismus, Patriarchat und staatlicher Repression, ebenso wie militärischer und sexualisierter Gewalt.
Einrichtungen des Gesundheitswesens haben dabei die soziale Verantwortung, geschlechter- und kultursensibel Schutz zu bieten vor Diskriminierung, Verfolgung und Strafe. Also nicht nur vor Mobbing, sondern auch vor rassistischer Ausgrenzung und polizeilichem Zugriff, was auch die „Ausländerbehörden“ einschließt. Sämtliches Personal in Medizin, Pflege, Therapie und Beratung muss daher sein Schweigerecht einfordern, damit Vertraulichkeit und Schutz – vor allem von vulnerablen Personengruppen – durch Aussageverweigerung und (digitale) Datensicherheit gewährleistet wird.
Arbeitskämpfe in der Gesundheitsbranche sind daher mehr als eine resiliente Abwehr von Personalabbau, Niedriglöhnen und Lohnraub oder der Einsatz für mehr Freizeit, Weiterbildung, betriebliche Gesundheitsförderung und bessere Arbeitssicherheit. Neben dem Schutz von Mensch und Mitwelt geht auch um die Anerkennung von geschlechtlicher, sexueller und kultureller Vielfalt, ebenso wie um die Verhinderung von Diskriminierung (auch aufgrund von Alter, Behinderung oder Krankheit). Angesichts einer zunehmend reaktionären Politik von Ausgrenzung, Militarisierung und Krieg, sowie eines Abbaus hart erkämpfter Sozialleistungen und Arbeitsrechte ist die selbstbestimmte Organisierung am Arbeitsplatz weiterhin dringend nötig.
Die eigene Branche, wo betrieblicher Alltag und soziale Verantwortung immer neue Widersprüche offenlegen, ist dafür ebenso gut geeignet, wie eine lokale Vernetzung am Wohnort. Auch durch die Einbeziehung nicht-erwerbsmäßiger, informeller Tätigkeiten bei häuslicher Pflege, nachbarschaftlicher Krankenbetreuung und ehrenamtlicher Fürsorge-Arbeit.
Denn Menschen, die unbezahlt gesundheitliche Leistungen erbringen oder als Betroffene welche empfangen, sind genauso aufgefordert sich als Selbsthilfe zu organisieren. Um gemeinsam mit direkten Aktionen (wie Streik, Boykott, Besetzung) eigenverantwortlich Widerstand zu leisten gegen kapitalistische Ausbeutung und staatliche Unterdrückung – nicht nur in der Gesundheitsindustrie.
Kontakt zum Fachbereich Gesundheit:
– Mail an asn-koeln@riseup.net
– Nachricht bei Mastodon an https://todon.nl/@ASN_Koeln

Lokale Infos zu den Themen „Gesundheit und Pflege“:
https://asnkoeln.wordpress.com/category/gesundheitpflege/
Internationale Meldungen zum Thema „Gesundheit„:
https://anarchosyndikalismus.noblogs.org/post/category/gesundheit/
Creative Commons: BY-NC (ASN Köln, asnkoeln.wordpress.com)
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