Initiative « Olga Taratuta » der Solidarität mit Geflüchteten, Desertierenden, Pazifist:innen in der Ukraine wie in Russland und Belarus
06. März 2022

Krieg tobt in Osteuropa. In einem Krieg der imperialistischen Aggression fielen russische Truppen auf Befehl von Wladimir Putin ein. Es gibt bereits viele Todesfälle und Verletzte. Neue Eskalationen stehen unmittelbar bevor.
Zehntausende Ukrainer:innen begeben sich auf die Flucht, um dem Tod zu entkommen, der mit seinen Panzern und Bombenanschlägen voranschreitet. In Russland trotzen mutige Demonstrant:innen der Repression indem sie ihre Weigerung, im militärischen Schritt zu marschieren, laut und stark zum Ausdruck bringen. In Belarus bemühen sich Anarchist:innen, um Soldaten zum Desertieren zu ermutigen.
Welche Rhetorik auch immer – « Humanistisch », nationalistisch, militaristisch, historisch oder andere – den aktuellen Konflikt rechtfertigt, dahinter liegen nur die Interessen derer, die politische, wirtschaftliche und militärische Macht innehaben.
Das Bombardieren friedlicher Städte, das Töten von Menschen, all dies hat keine Rechtfertigung.
Für uns, Arbeiter:innen, Bauern, Rentner:innen, Studierende bringt es nur Leid, Blut und Tod.
Weil Nationalismus Krieg ist, lehnen wir jegliche Form des Nationalismus ab und wir nehmen keine Partei für eine Regierung, nicht mehr hier als da. Unsere Solidarität gilt den Menschen, nicht den Institutionen. Wir schlagen allen vor, die wie wir nach Freiheit streben und den Krieg verabscheuen, sich unserer Solidaritätsinitiative anzuschließen, um materiell und finanziell diejenigen zu unterstützen, die gegen den Krieg kämpfen, ob sie aus der Ukraine, aus Belarus oder Russland sind. Wir bemühen uns besonders, dass wir russische und belarussische Desertierende und Pazifisten unterstützen, die durch ihre Weigerung einen Teil der Lösung gegen den Krieg mittragen. Wir sind auch solidarisch mit allen Geflüchteten für die wir fordern, dass sie so weitflächig wie möglich in Europa aufgenommen werden.
Das gesammelte Geld wird nur zur Unterstützung von Desertierenden, Pazifisten und Geflüchteten verwendet. Unsere Solidarität gilt ausschließlich Zivilisten. Es wird nicht verwendet, um militärische Geräte zu kaufen oder integrierte Einheiten in der ukrainischen Armee, einschließlich territorialer Verteidigungseinheiten, zu unterstützen. Und dies aus Gründen offensichtlicher politischer Prinzipien, aber auch aus sehr konkreten Gründen:
Nur Staaten haben die Mittel – finanzielle, juristische, logistische, … -, um Kriegswaffen in die Ukraine zu senden. Alle Revolutionär:innen jeder Richtung zusammengenommen könnten nicht mehr als eine unbedeutende Speerspitze versenden. Das Senden von militärischen Ausrüstungen auf illegale Weise müsste durch Mafia Schaltkreise, die eng mit der extremen Rechten zusammen hängen, geschleust werden mit dem wahren Risiko, das die gesendeten Geräte in schlechten Händen landen. Alas, es gibt bereits einen nachgewiesenen Fall taktischer Ausrüstung, die von spanischen anarchistischen Genoss:innen in die Ukraine gesendet wurde und sich nun in den Händen einer faschistischen paramilitärischen Gruppe befindet.
Auf der anderen Seite was wir machen können mit unseren geringen Mitteln als Revolutionär:innen ist, die Soldaten, und insbesondere die russischen und belarussischen Soldaten, aufzurufen zu desertieren und sie wissen lassen, dass wenn sie sich weigern ihren Führern zu gehorchen, wenn sie sich weigern an der Schlachterei weiter teilzunehmen, sie hier bei uns willkommen sind. Die Unterbringung von Desertierenden liegt im Rahmen unserer Möglichkeiten.
Staaten setzen sich dafür ein, Waffen zu verschicken und nicht zum Desertieren aufzurufen. Und aus gutem Grund: Das Versenden von Waffen stärkt die Staaten in ihren ideologischen Grundlagen (vergessen wir nicht, dass das, was Staaten auszeichnet, das Innehaben des Gewaltmonopols ist) wohingegen dazu aufzurufen ihren militärischen Führern nicht mehr zu gehorchen ihre Autorität untergräbt… Und wenn wir uns weigern zu gehorchen ist das Der Anfang vom Ende… Das gilt sowohl hier als auch überall anders.
Unsere Initiative ist unabhängig von einer politischen Partei oder NGO. Sie ist streng säkular. Wir sind von Olga Taratuta inspiriert. Die revolutionäre militante anarchistische jüdische Ukrainerin ist 1876 geboren. Sie war länger als 10 Jahre in zaristischen Gefängnissen inhaftiert für revolutionäre Aktivitäten unter anderem in Odessa, freigekommen im Februar 1917 im Zuge der Revolution gründete sie das Schwarze Kreuz in Kharkov 1920, um politische Gefangene der revolutionären Bewegung zu unterstützen, die in Gefängnissen von Belarussen, nationalistischen Ukrainern oder Bolschewiken eingesperrt wurden. Sie wurde erneut wegen ihrer solidarischen Aktivitäten durch die bolschewistische Macht eingesperrt, die sie 1938 erschießen wird. Olga Taratuta ist eine universelle Figur des kompromisslosen Kampfes gegen Diktaturen und für Freiheit. Wir wenden uns an diejenigen, die diese Prinzipien und Ziele teilen.
Мир хижинам, война дворцам!
Friede den Hütten Krieg den Palästen !
Source: Solidarité avec les réfugiés,d’Ukraine, Russie
