Sowohl im „Sündi“ genannten Manheimer Erbwald, wie auch im benachbarten Hambacher Wald, kämpfen die Waldbesetzer*innen weiter gegen den Ausbau der Braunkohlegrube von RWE. Der fossile Klimakiller plant nämlich die Rodung des restlichen Waldstücks bei Kerpen-Manheim (alt), um mit riesigen Schaufelrad-Baggern das Tagebau-Loch weiter in die Landschaft zu graben.

Dass der Abbau des klimaschädlichen Energieträgers Braunkohle im Rheinischen Revier auf das Jahr 2030 vorgezogen und die Rodung des „Hambi“ gestoppt wurde, war neben Umweltschutz-Klagen und Massenprotesten vor allem der jahrelangen Waldbesetzung zu verdanken. Während der brutalen Räumung im September 2018 stürzte der aktivistische Journalist und Medienkünstler Steffen Meyn („Sonne“) von einem besetzten Baum in die Tiefe und verstarb inmitten der hochgerüsteten Polizeitrupps.

Daher fand auch dieses Jahr wieder eine Gedenkverstaltung im Hambacher Wald statt, bei der auch anderen verstorbenen Mitstreiter*innen gedacht wurde. So gab es mit musikalischer Begleitung mehrere ergreifende Redebeiträge , die an Elf, Elefteria Hambi, Kurt, Mike, Mogli, Waka und andere Aktivist*innen erinnerten, die in den letzten Jahren durch Gewalt oder Krankheit ums Leben gekommen sind.

Um ihren Kampf gegen Umweltzerstörung, für Klimagerechtigkeit, Freiheit und soziale Gerechtigkeit weiterzuführen, ergeben sich in den kommenden Wochen zahlreiche Gelegenheiten. Denn der Energiekonzern RWE möchte mit dem Beginn der Rodungssaison Anfang Oktober gerne mit dem Abholzen des „Sündenwäldchens“ fortfahren. Bereits Ende Januar hatte das Unternehmen unter dem Schutz hunderter Sicherheitsleute den Großteil der ehemals zum Hambacher Wald gehörenden Bäume absägen und shreddern lassen. Um anstelle des fast komplett zerstörten Dorfes Manheim eine Ausbuchtung in die Tagebaukante zu baggern, sollen die dort von Waldbesetzer*innen bewohnten Baumhäuser geräumt werden, um mit der begonnenen Rodung fortzufahren.

Denn der Energiekonzern plant, die Tagebau-Grube mit kostenlosem Rheinwasser über eine Pipeline zu füllen, damit irgendwann in mehreren Jahrzehnten der größte künstliche See Europas entstehen soll. Angesichts zunehmender Wasserknappheit durch die Erderhitzung aufgrund der kapitalistischen Klimazerstörung ist dieser Plan mehr als unvernünftig. Doch dem fossilen Klimakiller RWE geht es vor allem darum, die Tagebau-Restseen in Hambach und Garzweiler als „Renaturierung“ darzustellen, um teure Bergbau-Folgekosten einzusparen.

Obwohl der Rheins von Verschmutzung durch die chemische Industrie belastet ist, will RWE demnächst ab Dormagen ungefiltertes Flusswasser in einer Transportleitung durch Äcker, Siedlungen und Naturschutzgebiete bauen. Dagegen regt sich aber Widerstand, beispielsweise durch das Wasserbündnis Rheinisches Revier, das bereits mehrfach gegen die Pipeline protestiert hat.

Aber auch im „Sündi“ geht der Widerstand gegen die klimaschädliche Industrie weiter: Nachdem es Ende August an der Mahnwache in der Manheimer Esperantostraße im Anschluss an die regelmäßigen Dorfspaziergänge ein Konzert mit Ausstellungen gab (siehe Bericht), ist nun ein Herbstfest geplant. Am Samstag 27.09. soll ab 14 Uhr ein buntes Programm starten mit Kunstaktion und Tombola, sowie Lesung, Konzert und veganem Essen.

Und für den Sonntag 28.09. ist wieder ein Dorfspaziergang mit dem Waldpädagogen Michael Zobel angekündigt, diesmal unter dem Motto „Wald statt Kohle, Kies und Schotter“. Derweil läuft in der letzten Septemberwoche im „Sündenwäldchen“ noch ein skill sharing genanntes Bau- und Kletter-Training für Besetzer*innen zur Vorbereitung auf die drohende Räumung der zahlreichen Baumhäuser und Bodenstrukturen. Die Möglichkeiten vor Ort Widerstand zu leisten sind also vielfältig und kreativ…

Hintergründe:

„Unterstützt die Manheimer Waldbesetzung!“ (2024)
https://asnkoeln.wordpress.com/2024/12/09/unterstutzt-die-manheimer-waldbesetzung/

Tagebau Hambach: RWE rodet den Manheimer Erbwald (31.01.2025)
https://asnkoeln.wordpress.com/2025/01/31/tagebau-hambach-rwe-rodet-den-manheimer-erbwald/

(Creative Commons: BY-NC (ASN Köln, asnkoeln.wordpress.com)


Source: ASN Köln Allemagne

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