Umwelt- und Klimaschutz am Arbeitsplatz

Die zerstörerischen Folgen der fossilen und nuklearen Energieproduktion sind seit langem bekannt. Die Industri­alisierung der letzten Jahrhunderte wurde durch Verbren­nung und Kernspaltung angetrieben.

Natur und Mensch werden auch heute weiterhin ausgebeutet – sowohl in der Marktwirtschaft, welche auf privatem und staatlichen Eigentum gründet, wie auch in den wenigen verbleibenden Ländern des „Realsozialismus“ (China, Vietnam, Nordkorea, Kuba). Der Staatskapitalismus unter strenger Führung einer „kommunistischen“ Partei steht jedoch auf dem industriellen Weltmarkt in Konkurrenz und auch in Zusammenarbeit mit der Marktwirtschaft. Im globalen Wettbewerb um natürliche Rohstoffe und billige Arbeitskräfte konkurrieren dabei private und staatliche Unternehmen miteinander. Oder sie schließen sich zu gemeinsamen Wirtschaftsprojekten zusammen, z.B. in Private-Public-Partnerships.

Eigentlich hatten zahlreiche Staaten in den weltweiten Klimaabkommen der Vereinten Nationen, wie dem Kyoto-Protokoll (1997) oder dem Pariser Vertrag (2015), längst zugesagt, die gefährliche Zerstörung des Klimasystems zu beenden. Dabei versprachen sie die Erhitzung der Erdatmosphäre zu bremsen, sowie deren Auswirkungen abzumildern. Aber weder die Privatwirtschaft, noch die staatliche Politik haben ein ernsthaftes Interesse daran, die Ursache der globalen Umweltzerstörung zu beenden: den fossil-nuklearen Kapitalismus.

Zwar gibt es immer wieder Versuche, das zerstörerische Wirtschaftssystem auf eine „grüne“ Marktwirtschaft umzu­stellen, beispielsweise durch den US-amerikanischen „Green New Deal“ oder den „European Green Deal“. So hatte die EU-Kommission unter Führung der christdemokratischen Präsidentin von der Leyen 2019 beschlossen, dass der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen in dem Staatenbund bis zum Jahr 2050 beendet (Netto-Emissionen) und die Europäische Union damit „klima-neutral“ werden soll.

Aber die industrielle Freisetzung von Kohlendioxid und Methan (aber auch von Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen) geht weiter. Vor allem in China, den USA, Indien und Russland werden jährlich Milliarden Tonnen klimaschädlicher Gase in die Erdatmosphäre entsorgt. Verursacht wird diese Zerstörung vor allem durch die Wärmeerzeugung bei Produktion und Verar­beitung industrieller Waren.

Vor allem die hitze-intensive Herstellung von Zement und Glas, aber auch von Stahl und chemischen Vorprodukten benötigt riesige Mengen an Energie. Ebenso umweltschädlich ist die Herstellung und Aus­bringung von künstlichem Dünger in der industriellen Landwirtschaft und der Ausstoß von Methan bei der Massentierhaltung. Wenn man versucht, die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas durch erneuerbare Energien zu ersetzen, dann ergibt sich ein riesiger Bedarf, der bisher nicht gedeckt werden kann.

Um die Industrieproduktion im heutigen Maßstab weiter­zuführen, müsste z.B. die Stahlbranche ihre Hochöfen durch klima-neutral hergestellten Wasserstoff anheizen. Aber dafür würden hierzulande etwa 1,6 Millionen Tonnen dieses Gases benötigt, um den Bedarf von über 50 Terrawattstunden zu decken. Da soviel grüner Wasserstoff (aus Wind- und Sonnen­energie) bisher nicht zur Verfügung steht, wird es einen „grünen Stahl“ in absehbarer Zukunft nicht geben – trotz milliardenschwerer staatlicher Fördergelder.

Auch in der Chemie-Industrie werden beispielsweise bei der Herstellung von Kunststoffen, Dämmaterialien und Texttilfasern riesige Mengen Kohlendioxid ausgestoßen. Durch die Ver­brennung und Verarbeitung von Erdöl tragen chemische Produkte ernorm zur Aufheizung der Erdatmosphäre bei. Auch die Umweltschäden durch Kunststoff-Abfälle können derzeit noch nicht verhindert werden, wobei die Ausbreitung von Mikroplastik besonders schädlich ist (auch durch die Verseuchung der Nahrungskette und Einlagerungen im Körper).

Die Wiederverwertung von Plastikmüll durch chemisches und technisches Rececling benötigt aber ebenfalls große Mengen an Energie. Eine alternative Gewinnung von Kohlenstoff aus Biomasse aus organischem Abfall oder durch die land­wirtschaftliche Produktion von pflanzlichen Bio-Kraftstoffen ist angesichts des großen Bedarf momentan unrealistisch. Ebenso übersteigt der Stromverbrauch in der Zementindustrie das aktuelle Angebot an erneuerbarer Elektrizität.

Hinzu kommt, dass beim Brennen von Zement aus Kalk und Ton jährlich Millionen Tonnen CO2 pro-duziert werden. Diese klimaschädlichen Abgase können auch nicht eingefangen und durch unterirdische Einlagerung unschädlich gemacht werden, denn diese Technologie (CCS) ist nicht nur unsicher, sondern auch nicht effektiv und keine umweltschonende Lösung für das Problem der Kohlendioxid-Vergiftung des Weltklimas.

Daher stellt sich eher die Frage, ob die bisherige Wirtschaftsweise, welche auf Raubbau an natürlichen Roh­stoffen (in Fortführung der kolonialen Ausplünderung) beruht in diesem Maße weitergefüht werden kann – oder ob eine Verringerung der Produktion und Weiterverarbeitung samt ihrer weltweiten Transportwege sozial-ökologisch gestaltet werden kann.

Die Diskussion über Post-Wachstum (degrowth) und Bedürfnisökonomie hinterfragt jedoch nicht nur die Wirtschaftsweise, sondern auch die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse. Eine nachhaltige Umgestaltung (Transformation) der industriellen Produktion und der sozialen Reproduktion im Sinne einer freiheitlich-solidarischen Selbstverwaltung aller Menschen steht daher zu Debatte…

Praktische Möglichkeiten zur ökologischen Umgestaltung:

ROHSTOFFE:
• bedürfnisorientierte (Re)Produktion – statt warenförmigem Konsum!
• Müll vermeiden, Reste trennen (Papier, Wertstoffe, eigener Kompost?)
• natürliche, erneuerbare Rohstoffe verwenden (bio-fairer Anbau/Abbau)
• Kreislaufwirtschaft mit wiederverwendbaren Materialien (recycle/reuse)
• emissionsarme Anlagen (Wärme, Lärm, Staub, Abgase, Abwasser)

ENERGIE:
• Erdwärme, Wind-/Sonnenenergie (dezentral selbstverwaltet)
• effiziente Elektro-Geräte (Energieeffizienz-Label A-D)
• Verbrauch reduzieren (Geräte/Licht, Internet, Heizen/Kühlen), Isolierung

TRANSPORT:
• Arbeitswege zu Fuß oder mit (Lasten-)Fahrrad, gemeinsame E-Mobilität
• ÖPNV und Fernbahnen bevorzugen oder (Segel-)Schiffstransporte
• kurze Transport-Strecken und Lagerdauer (Kühlketten!), Homeoffice?

WASSER:
• Versickerung ermöglichen / Versiegelung öffnen (Parkplätze, Mulden)
• Regenwasser sammeln und wiederverwenden (Toiletten, Grünflächen)
• Leitungswasser statt Flaschen/Kanister verwenden (evtl. filtern)

KLIMA und BIODIVERSITÄT:
• vegetarische/vegane Speisen anbieten (bio, fair, regional)
• kühlende Verschattung (Bäume, Fenster/Fassaden, Höfe/Plätze, Wege)
• Grünflächen schaffen (Parks, Höfe, Dächer, Fassaden, Innenräume)
• Blühstreifen pflanzen, heimische Arten erhalten, Totholz liegen lassen

BILDUNG:
• Poster, Arbeitsgruppen, Weiterbildung, Betriebsversammlungen,…

Boykott, Streik oder Besetzung – direkte Aktionen für Mensch und Umwelt!

Creative Commons: BY-NC (ASN Köln, http://asnwordpress.com)

Siehe auch:
Nachhaltige Arbeitsplätze? Wie wir den sozial-ökologischen Wandel mit Klimawandel-Anpassung verbinden können“
https://asnkoeln.wordpress.com/2025/04/20/nachhaltige-arbeitsplaetze/

Beide Texte gibt es in einer PDF-Broschüre zum Download (0,3 MB):
https://asnkoeln.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/08/nachhaltigkeit-im-betrieb-broschure-2025-online.pdf


Source: ASN Köln Allemagne

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