Rezension von „Ein Inspektor kommt“ und die Relevanz für heute
In Gesundheit und Soziales, Historisch, Kulturelles und Rezensionen, Solidarity on 31. Juli 2025 at 22:24
Ein Theaterstück über Sozialen Mord und Parallelen zur Tötung der Mutter eines unserer Genossen
Das 1945 uraufgeführte Theaterstück „Ein Inspektor kommt“ ist das berühmteste Werk des britischen Schriftstellers und Journalisten John Boynton Priestley, der leider außerhalb Großbritanniens weitgehend in Vergessenheit geraten ist. In Österreich war dieses Stück etwa Ende der 1980er Jahre noch Lehrstoff im Englischunterreicht, während die Jüngeren von uns es nicht mehr in der Schule hatten. Im Folgenden umreißen wir den Inhalt des Stücks, um später den Bezug zur Gegenwart im Österreich der 2020er Jahre herzustellen.
Die Handlung des Stücks
Ein Inspektor kommt spielt im Jahr 1912 in einer fiktiven nordenglischen Industriestadt, und alle drei Akte sind durchgängig im Wohnzimmer der großbürgerlichen Familie Birling angesiedelt. An diesem Sonntag sitzt die Familie zu einem Festessen zusammen, um die Verlobung der Tochter zu feiern.
Die Familie ist, wie gesagt, sehr wohlhabend und gehört zu den einflussreichsten Familien der Stadt: der Patriarch Arthur Birling ist Besitzer einer Fabrik, während seine Frau Sybil den städtischen Wohlfahrtsausschuss leitet. Ebenfalls zur Familie gehören die Kinder der beiden, Sheila und Eric Birling, beide in den Zwanzigern; zudem ist Gerald Croft, der Verlobte der Tochter, anwesend.
Diese bourgeoise Idylle wird gestört, als es an der Tür klingelt, und das Dienstmädchen einen Polizeiinspektor hereinlässt, der sich als Inspektor Goole vorstellt. Goole ermittelt bezüglich des Todes einer armen jungen Frau mit dem Namen Eva Smith, die sich vorher am selben Tag selbst getötet hat, indem sie Salzsäure getrunken hat und nach stundenlangem Todeskampf im Spital gestorben ist. Goole hat das Tagebuch von Frau Smith gefunden und möchte den Gründen für ihren Selbstmord nachgehen.
Hintereinander konfrontiert Inspektor Goole alle Anwesenden mit dem Foto der Frau und fragt, ob sie sie kennen. Als erstes wird Vater Birling befragt, wobei herauskommt, dass Smith vor eineinhalb Jahren in der Fabrik der Birlings beschäftigt war. Danach hat Birling sie allerdings entlassen, weil sie es gewagt hat, einen Streik für ein wenig mehr Lohn zu organisieren. Dieser Schritt war aus Sicht von Birling notwendig: nicht nur muss man die Löhne niedrig halten, sondern auch immer den ArbeiterInnen zeigen, wer die Macht hat, damit sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, mehr Geld zu fordern.
Bereits jetzt ist Arthur Birling sehr ungehalten über die Störung seines Sonntags und die Tatsache, dass dieser Inspektor von seiner Macht und seinen Reichtum überhaupt nicht eingeschüchtert ist. Selbst als Birling droht, sich beim Polizeichef, mit dem er Golf spielt, zu beschweren, ficht das den Inspektor nicht an; der stellt weiter unbeirrt seine Fragen, kühl, sachlich und ohne Ansehen der Person.
Als nächstes wird Tochter Sheila vernommen. Dabei kommt heraus, dass Eva Smith nach einigen Monaten wieder Arbeit gefunden hatte, in einem Modegeschäft. Doch eines Tages kommt Sheila in den Laden und probiert ein Kleid an, das ihr überhaupt nicht steht. Smith, die Sheila beim Anproben hilft, kann einen amüsierten Blick nicht unterdrücken. Davon fühlt sich Sheila so herausgefordert und in ihrer Eitelkeit gekränkt, dass sie sich beim Geschäftsführer beschwert und droht, nie wieder zu kommen, wenn diese freche Verkäuferin nicht gefeuert wird. Und so verliert Eva Smith, die sonst keine Verwandten mehr hat, ihren letzten fixen Job …
In ähnlicher Weise macht der Inspektor mit der Befragung der weiteren Familienmitglieder weiter. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber es kommt dabei heraus, dass alle vier Birlings und Croft unabhängig von einander zum Elend und Abstieg von Frau Smith beigetragen haben und, in den Worten des Inspektors, eine Kausalitätenkette in Gang gesetzt haben, die mit dem Selbstmord der verzweifelten, völlig verarmten Eva Smith endete.
Dabei wirkt es so, als ob der Inspektor ohnehin bereits alles weiß; die Fragen dienen nur dazu, die einzelnen Familienmitglieder mit ihren Taten und ihrer Verantwortung zu konfrontieren. Das Verhalten der großbürgerlichen Familie gegenüber der einfachen Arbeiterin Eva Smith, in den allerunterschiedlichsten Situationen, ist geprägt von Machtdenken, gekränkten Eitelkeiten, Unverständnis, dem Versuch, Skandale zu vertuschen und dem Bewusstsein, niemals für die eigenen Handlungen zur Verantwortung gezogen zu werden; alles selbstverständlich vor dem Hintergrund des gewaltigen Klassenunterschieds.
Zuerst reagieren die wohlhabenden Bourgeois gegenüber diesem ungewöhnlichen Inspektor überwiegend mit Schuldabwehr, wobei die Alten schlimmer sind als die Jungen. Mit Fortgang und immer drückenderer Beweislast geben sich die Familienmitglieder zunehmend gegenseitig die Schuld. Die Antwort des Inspektors darauf ist, dass alle gleichermaßen Schuld und Verantwortung tragen müssen; wir seien alle füreinander verantwortlich in dieser Gesellschaft; alle Mitglieder der Gesellschaft sind wertvoll und keiner könne ohne den anderen leben.
Wir empfehlen an dieser Stelle, das Stück selbst zu lesen, unter anderem, da es am Ende nicht nur eine, sondern sogar zwei ziemlich irre Schlusspointen gibt. Die Reaktionen der Oberschichtfamilie auf die Folgen ihres Handelns und die Menschen, die gesellschaftlich unter ihnen stehen, sind sehr realistisch. Gleiches gilt für die Darstellung der sozialen Verhältnisse und das Schicksal einer jungen alleinstehenden Arbeiterin im England des Jahres 1912. Die Appelle des Inspektors bleiben aber auf einer rein moralischen Ebene.
Vielleicht wäre es auch zu viel verlangt, von einem kurzen sozialkritischen Theaterstück in der Form einer Kriminalgeschichte eine antikapitalistische Klassenanalyse und Lösungsansätze zu erwarten. Allerdings müssen wir auch den zeitlichen Kontext berücksichtigen: das Ende des Zweiten Weltkrieg brachte in Großbritannien einen Erdrutschsieg der Labour Party bei den Parlamentswahlen, die anschließend mit dem Aufbau des Sozialstaats der Nachkriegszeit anfing (ähnliches passierte ja in ganz Westeuropa). Dieser Wohlfahrtsstaat sollte den Kapitalismus eindämmen und Tode wie den der fiktiven Eva Smith verhindern, ließ aber die Klassenverhältnisse unangetastet. Womit wir auch bereits bei der Gegenwart in Österreich sind.
Die Tötung der Mutter unseres Genossen: ein Sozialer Mord
Ganz Österreich und besonders Wien, das ja seit endlos langer Zeit sozialdemokratisch regiert wird, sind sehr stolz auf ihren Wohlfahrtsstaat. Und doch ist es so, dass die Mutter unseres Genossen, Frau W., in einem Pflegeheim der Stadt Wien durch eine Medikamentenvergiftung getötet wurde. Diese Vergiftung war kein einmaliger Unfall, sondern Teil eines größeren gesellschaftlichen Systems, in das Frau W. unverschuldet hineingeraten ist und das ihr am Ende das Leben gekostet hat.
Wie es zu diesem Sozialen Mord kam, wollen wir jetzt skizzieren. Dabei sind nicht so sehr die mehrheitlich ausländischen, überlasteten Pflegekräfte von Interesse; diese sind ebenfalls Opfer des Systems. Viel interessanter sind die behandelnden ÄrztInnen sowie der juristische Apparat, der nach Frau W.s Tod angeworfen wurde. Diese Leute sind nicht überlastet und unterbezahlt, wie die oben genannten Pflegekräfte; im Gegenteil, sie haben alle lange studiert und Abschlüsse gemacht und bekommen gute Gehälter für ihre Dienste. Gerade das scheint jedoch dazu zu führen, dass sie ähnliche Verhaltensweisen zeigen wie Familie Birling …
So wurde Frau W. nach einer Zehenamputation in ein Pflegeheim mit 69 Jahren eingewiesen, vermutlich auch, da das kostengünstiger war, als sie weiter im Krankenhaus zu behandeln und da das Pflegeheim ihre Pension weitgehend verwenden darf.
Im Pflegeheim, dessen BewohnerInnen mehrheitlich dement sind, wurde Frau W. auch von Anfang an so behandelt und immer weiter in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Sie durfte nicht mehr herumgehen, auch nicht mit Rollator, und wurde nach einem Jahr oft gar nicht mehr aus ihrem Bett herausgeholt, da zu anstrengend für die PflegerInnen. Es ist offensichtlich, dass sie damit zunehmend körperlich abgebaut hat und immer schwächer wurde.
Natürlich war Frau W. in dieser Situation traurig, weil es im Pflegeheim nicht genug Physiotherapie gab und somit das Ziel, körperlich selbständig zu werden, in immer weitere Ferne rückte. Die Lösung des Pflegeheims war dieselbe, wie bei den BewohnerInnen mit Demenz: Psychopharmaka!
Nun hat W. Psychopharmaka mehrfach explizit und auch dokumentiert abgelehnt, wodurch eine solche Behandlung bereits in sich selbst illegal ist. Trotzdem wurde sie über zweieinhalb Jahre mit zeitweise drei verschiedenen Psychopharmaka zwangsbehandelt, wobei diese Behandlung sowohl ihr als auch ihrem Sohn weitgehend verschwiegen wurde.
Allerdings war es so, dass die Frau in all dieser Zeit sichtbare Vergiftungserscheinungen hatte, wie Erbrechen, Durchfall, Schwitzen und zeitweise Verwirrungszustände; Dinge, die auch in den Beipackzetteln eben jener Medikamente auftauchen.
Sowohl W als auch ihr Sohn haben natürlich mitbekommen, dass etwas nicht stimmt, und immer wieder Medikamentenlisten gefordert so wie erklärt, dass die Psychopharmaka abgesetzt werden müssen. Doch diese vollkommen berechtigte Sorge um W.s Gesundheit und der legitime Wunsch nach körperlicher Selbstbestimmung wurde von den behandelnden ÄrztInnen immer nur als unbotmäßige Renitenz aufgefasst und mit Unverständnis und Trotz reagiert.
So machte Frau W einmal deutlich darauf aufmerksam, dass sie jetzt endlich eine Ärztin sehen will, um aufzuklären, woher die Beschwerden kommen. Die Ärztin, die da kam, hat völlig irrerweise W selbst die Schuld gegeben, da sie ihre Laktoseintoleranz-Diät nicht einhalten würde. In die Dokumentation schrieb die Frau Doktor anschließend merklich genervt, dass W. doch gar keinen Durchfall habe; sie habe eben die Definition für Durchfall nachgesehen, und das sei mindestens dreimal flüssiger Stuhl am Tag.
Wir fragen uns: was geht im Kopf von so jemandem vor? Extra medizinische Definitionen nachzuschauen, nur um zu erklären, dass alles in Ordnung ist und wenn nicht, W. selbst schuld ist? Wir können das Verhalten der Ärztin nur als Kränkung darüber verstehen, dass überhaupt jemand was von ihr möchte und jemand die Behandlungsmethoden von ihr und den KollegInnen in Frage stellte. Noch dazu irgendein Durchschnittsmensch, der nicht jahrelang Medizin studiert hat und halt einfach Vergiftungserscheinungen hat. Machtdenken, gekränkte Eitelkeit und Unverständnis also …
So wurde die Situation der Zwangsmedikation mit Psychopharmaka nicht besser, sondern sogar noch schlimmer. Anstatt, wie mehrmals von Frau W. und ihrem Sohn immer verzweifelter vorgeschlagen wurde, die medizinisch nicht notwendigen Psychopharmaka abzusetzen, kamen sogar noch weitere hinzu. Außerdem wurden die Nebenwirkungen der Psychopharmaka mit weiteren Medikamenten behandelt.
Nach einem solchen Medikamentencocktail aus drei unterschiedlichen Psychopharmaka sowie einem Magenschoner ist Frau W. schließlich im Alter von 73 gestorben. Auch das hätten die ÄrztInnen eigentlich erkennen müssen: das Serotonin-Syndrom ist eine bekannte Wechselwirkung dieses Medikaments mit einem der Psychopharmaka: genau das, an dem sie gestorben ist.
Doch ganz offensichtlich waren die „Götter und Göttinnen in Weiß“ gar nicht besonders an den einzelnen BewohnerInnen und ihrer Situation interessiert. So hat eine Ärztin noch nach dem Tod der nie erwachsenenvertretenen Frau W. den Sohn am Telefon gefragt, was er eigentlich will, ob er überhaupt der Erwachsenenvertreter sei.
Die „Ermittlungen“ oder: Der Juristenstand schützt den Ärztestand
Dem Sohn kam dieser plötzliche Tod seiner Mutter bereits kurz danach komisch vor, und so erstattete er Anzeige gegen unbekannt. Ein erstes toxikologisches Gutachten, das im Zuge der standardmäßig durchgeführten Obduktion erstellt wurde, kommt dann auch zu dem eindeutigen Ergebnis, dass W. an einer Serotoninvergiftung gestorben ist. Es muss also weiter ermittelt werden.
Doch dann kommt der gesamte Apparat erst in Bewegung, aber ganz anders als sich das naive Gemüter vielleicht vorstellen. In der Realität gibt es nämlich keinen Inspektor Goole, der scharfsinnig und allwissend die richtigen Fragen stellt und die Verantwortlichen in Bedrängnis bringt, unabhängig von ihrer hohen Position. Die in diesem Fall zuständigen StaatsanwältInnen, RichterInnen und der Gutachter wirken vielmehr wie die berühmten Drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und über nichts sprechen wollen.
Was genau hier hinter den Kulissen des staatlichen Justizapparates passiert, wer auf wen Druck ausübt oder wer wen deckt und beschützt, darüber können wir nur spekulieren. Wir bekommen nur das Ergebnis präsentiert: alles wird eingestellt, es gibt kein Fehlverhalten von niemandem, alles wurde richtig gemacht.
An dem Unterfangen, das Verfahren zu Frau W. einzustellen, gibt es, ähnlich wie an der Tötung von W., verschiedene Beteiligte. Neben einer Staatsanwaltschaft und einem Drei-Richter-Senat spielt dabei besonders ein pharmakologischer Gutachter eine Rolle, der quasi an der Schnittstelle von Justizapparat und Medizinwesen agiert.
Während die ersten beiden die wesentlichen Aspekte des Falles (eigenmächtige Heilbehandlung mit nicht überlebensnotwendigen Medikamenten) einfach geflissentlich ignorieren und die Staatsanwaltschaft sich weigert, überhaupt Zeugeneinvernahmen zu machen, lässt der Gutachter in seinem „wissenschaftlichen Gutachten“ seiner Fantasie freien Lauf: So spekuliert er ohne irgendwelche Anhaltspunkte aus dem Nichts heraus, dass die Vergiftung von einer genetischen Disposition herrührt, die Frau W. daran hinderte, Serotonin zu verstoffwechseln, und die Vergiftung somit nicht vorhersehbar war (wobei er die jahrelangen sicht- und fühlbaren Vergiftungserscheinungen wegargumentiert).
In ihren Stellungnahmen, Gerichtsbeschlüssen und Gutachten verschanzen sich die oben genannten Herrschaften hinter einer besonders kühlen, technischen und bewusst komplizierten Sprache, einem Bollwerk aus undurchdringlichem medizinischen und juristischen Fachjargon, das darauf ausgerichtet ist, dass sich normale Leute überfordert, klein und hilflos fühlen und lieber gleich gar nichts hinterfragen oder gar aktiv werden. Doch wenn man sich in die anstrengende und unangenehme Arbeit stürzt, all das intellektuell zu durchdringen und aufzudröseln, können wir nur schlussfolgern, dass sie Dinge ausblenden, missverstehen und falsche Aussagen tätigen, nur um sich und ihre FreundInnen aus dem Ärztestand zu schützen.
Es wäre aber falsch, zu glauben, dass das Justizsystem hier versagt; im Gegenteil, es funktioniert! Es beschützt sich selbst sowie die anderen staatlichen Systeme, wie in diesem Beispiel das Gesundheitssystem. Nichts davon ist ein Zufall: es sind jährlich in Österreich 60.000 Fälle von illegal mit Psychopharmaka Ruhiggestellten bekannt, wie bereits im Aufruf zur Kundgebung vor dem Pflegeheim von Frau W. festgehalten wurde. Es ist offensichtlich, dass von den behandelnden ÄrztInnen dabei „Unfälle“ wie die Tötung von W. billigend in Kauf genommen werden, auch, weil bei alten Leuten eh nicht so genau hingeschaut wird, wenn sie im Pflegeheim sterben.
Dieses Vorgehen braucht wiederum eine Absicherung durch den Justizapparat. Bei dem oben genannten Gutachter kommt noch hinzu, dass er beruflich enge Verbindungen zur Pharmaindustrie hat. Er erstellt also nicht nur Gutachten über das Handeln der eigenen KollegInnen, sondern womöglich auch in Fällen mit Medikamenten von Firmen, für die er selbst gearbeitet hat. Was dabei rauskommt, erscheint uns so ähnlich, wie wenn die Polizei wegen Polizeigewalt ermittelt …
Der konkrete Fall hat dieses System halt sehr stark exponiert: Frau W. war erst 73 Jahre alt und nicht dement; ihr Sohn wurde misstrauisch und hat eine Untersuchung veranlasst; das toxikologische Gutachten hat eindeutig Serotonin-Vergiftung als Todesursache festgestellt. Deswegen sind die Herrschaften des Justizapparates auch gezwungen, besonders schamlos die Wahrheit zu verdrehen, abzulenken und Falschbehauptungen aufzustellen. Doch die rechtlichen Möglichkeiten in diesem Fall sind noch nicht ganz ausgeschöpft, und vielleicht veröffentlichen wir auch in Zukunft noch etwas dazu.
Der Versuch jedoch, dieses Verfahren abzuwürgen, ist nur die notwendige Fortsetzung der Handlungen und Strukturen, die zur Tötung von Frau W. geführt haben. Scheinbar ist das Ziel, dass Sozialer Mord auch im Österreich der 2020er Jahre ohne Folgen bleibt, genauso wie im England von vor über 100 Jahren. Das eine Figur wie Inspektor Goole immer fiktiv bleiben muss und der staatliche Justiz- und Strafapparat Klassenherrschaft aufrecht erhält und nur die Armen verfolgt und die Reichen und Mächtigen beschützt, ist uns als AnarchistInnen natürlich von jeher bewusst.
Was ist denn nun aber die Lösung? Die einzige Lösung kann darin bestehen, dass wir, die einfachen Menschen, selbst aktiv werden, uns kollektiv gegen die Schikanen und Zumutungen dieser Apparate wehren; dass wir auf uns aufpassen und bei Angehörigen im Pflegeheim immer genau nachfragen, was an Medikamenten ihnen geben wird, auch wenn wir dabei auf Widerstände treffen; letztlich, dass wir uns kollektiv Wissen aneignen über den Staat, seine Institutionen und Gesetze, um aus diesem Angriff auf uns zu lernen und gewappnet zu sein für weitere Angriffe. All das gilt gleichermaßen für Pflegeheim-BewohnerInnen und Angehörige wie für die Angestellten der Pflegeheime, deren Kämpfe wir verbinden müssen. In diesem Sinne: Kommt in die anarchistische Gewerkschaft!
Veröffentlicht auf wiensyndikat.wordpress.com am 31. 7. 2025. Kopieren mit Quellenverweis möglich.
Ähnliche Beiträge
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Source: WAS Autriche
