Kundgebung: Schluss mit dem Töten in Pflegeheimen (inklusive Update)
In Gesundheit und Soziales, Termine (vergangene) on 9. Mai 2025 at 17:34
Kundgebung: Schluss mit dem Töten in Pflegeheimen
Sonntag 11. Mai 13:00 Uhr
Kardinal-Rauscher-Platz/ Märzstraße (Pflegeheim der Stadt Wien)
Das WAS ruft zu folgender Kundgebung auf, anlässlich des Todes durch Medikamentenvergiftung der Mutter eines Genossen. Wir wissen, dass nur die gemeinsame Organisierung der PflegerInnen zu einer Verbesserung der Bedingungen in den Pflegeheimen führen kann, die somit auch den BewohnerInnen zu Gute kommt. Die Kämpfe von Pflegenden und BewohnerInnen müssen deshalb gemeinsam gedacht werden.
In Österreichs Pflegeheimen werden jedes Jahr rund 60.000 Menschen rechtswidrig mit Psychopharmaka ruhiggestellt. Oft ohne Diagnose, Zustimmung oder Notwendigkeit. Was nach einem Skandal klingt, ist Alltag. Die Betroffenen? Unsere Mütter. Unsere Großväter. Unsere Nachbarinnen. Die TäterInnen? Kein einzelner Mensch – sondern ein System, das auf Arbeits-Überlastung des Pflegepersonals, Kontrolle und Schweigen baut.
Die erst 73-jährige Mutter und einzige Verwandte eines Genossen wurde mit einem Psychopharmakon getötet, wie die Gerichtsmedizin bei der Obduktion festgestellt hat. In ihrem Kleinhirn befand sich die 50-fache zulässige Menge des Wirkstoffes. Sie hat nie eine psychiatrische Diagnose gehabt und über 2 Jahre lang ausdrücklich – und vom Pflegeheim mehrfach dokumentiert – eine Behandlung mit Psychopharmaka abgelehnt. Konsequenzen hat das, die letzten beiden Jahre, bisher für niemanden gehabt.
Der Umgang mit den Menschen in Pflegeheimen ist nicht nur eine Frage des Managements und der Politik sondern auch eine Klassenfrage. Dazu kommt die patriarchale Realität, die es Frauen noch schwerer macht von der Ärzteschaft überhaupt ernst genommen zu werden.
Das war kein Einzelfall. Das hat System.
Kontakt: pflegenotstand@riseup.net
Update vom 15. 5. 2024
Im Folgenden geben wir die Rede wieder, die das WAS auf der Kundgebung gehalten hat. Weiter unten findet ihr Fotos von der Kundgebung.
„Liebe Anwesende,
Ich bin vom Wiener ArbeiterInnen Syndikat (WAS), das diese Kundgebung wegen des Todes der Mutter unseres Genossen unterstützt.
Die Arbeit in Pflegeheimen ist eine der schwersten und am schlechtesten bezahlten in unserem System, da Reproduktionsarbeit, also Haus-, Familien-, und Sorgearbeit, im Kapitalismus nicht direkt Werte (wie Waren, Güter etc.) produziert. Dennoch ist sie für das System notwendig, da diese Arbeit anderen Menschen die Lohnarbeit ermöglicht (in diesem Fall den Kindern von alten Leuten).
Die Arbeit in solchen Heimen wird überwiegend von Frauen mit Migrationshintergrund gemacht, um die Kosten weiter zu senken und ist allgemein geprägt von Stress, Überlastung und häufigen Burnouts. In dieser Situation werden häufig Psychopharmaka eingesetzt, um die oft dementen BewohnerInnen ruhigzustellen.
In dieses Schema wurde auch Frau W. einsortiert, die mit Ende 60 wegen einer körperlichen Erkrankung ins Pflegeheim kam und nicht dement war. Über Jahre wurde sie gegen ihren Erklärten Willen mit drei verschiedenen Psychopharmaka zwangsmedikalisiert, wobei Vergiftungserscheinungen ignoriert wurden. Daran ist sie schließlich im Alter von 73 Jahren verstorben, wobei in ihrem Kleinhirn die 50-fache zulässige Menge des entsprechenden Wirkstoffes festgestellt wurde.
Es geht nicht darum, dass irgendwer verurteilt oder bestraft wird für den Tod von Frau W. Es geht darum, die Bedingungen in Pflegeheimen so zu verbessern, dass so etwas nicht mehr passieren kann! In diesem Kampf haben PflegearbeiterInnen und HeimbewohnerInnen letztlich dieselben Interessen: nur wenn die Bedingungen für die Pflegenden gut sind, kann es auch gute Pflege für die BewohnerInnen geben, ohne massenhafte Medikalisierung mit Psychopharmaka und die draus resultierenden Tode wie den von Frau W. In dem Sinne rufen wir zur gemeinsamen Organisierung von Pflegenden und BewohnerInnen auf, da nur dies Selbstorganisierung der Betroffenen diese Zustände beseitigen kann. Und für dies PassantInnen: wenn Sie mehr Informationen zum Tod von Frau W. haben wollen, dann kommen sie zu uns und nehmen Sie unsere Flugzettel.
Danke fürs Zuhören.
Veröffentlicht auf dem WAS-Blog am 9. 5. 2025. Kopieren mit Quellenverweis möglich.
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Source: WAS Autriche


