Was die mehreren Hundert Demonstrant*innen vereinte, war die Ablehnung der städtischen Sparpläne bei sozio-kulturellen Angeboten. Aber im Mittelpunkt des Interesses stand vor allem die klimaschädliche Verschwendung öffentlicher Geld für einen riesigen U-Bahn-Tunnel.








Schon seit 2018 steht der geplante Mega-Tunnel in der Kritik, der unter dem Rhein hindurch die Stadt von Ost nach West durchqueren soll. Und dabei eine jahrzehntelange Großbaustelle von Deutz bis nach Lindenthal verursachen würde. Ein Änderungsantrag für das Milliarden-Projekt war erst Tage zuvor als erweiterte Variante (über den Aachener Weiher hinaus bis zum Militärring) von CDU, SPD und FDP durch den Verkehrsausschuss geprügelt worden.
Doch die parteilose Oberbürgermeisterin Reker nahm nach kritischen Anmerkungen der Bezirksregierung schließlich den Antrag der bauwütigen Tunnel-Lobby wieder von der Tagesordnung und verschob dadurch die Entscheidung. Damit bekommen vor allem die Bezirksvertretungen nochmal eine Gelegenheit über eine geplante Großbaustelle quer durch die Innenstadt abzustimmen. Doch es ist unklar, ob sich noch eine Mehrheit im Stadtrat finden wird, bevor am 14.09.2025 die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen stattfinden.

Mehr als 10.000 Unterstützer*innen haben die Petition „OBEN BLEIBEN mit der Straßenbahn! Verkehrswende statt Tunnel!“ unterschrieben. Das Bündnis Verkehrswende Köln fordert darin den sofortigen Stopp der Planung einer neuen U-Bahn-Strecke:
„Was würde ein Tunnelbau bedeuten?
– mindestens 1 Milliarde Euro Kosten, wahrscheinlich weitaus mehr durch Preisanstiege und archäologische Funde (…);
– an allen Haltestellen entstehen längere Wege, an Neumarkt und Rudolfplatz geht es abwärts bis in die vierte Tiefebene; die Haltestelle Mauritiuskirche entfiele ersatzlos; dauerhafte Zerschneidung von Heumarkt und Mauritiusviertel durch die neuen Tunnelrampen;
– eine jahrzehntelange Großbaustelle und Verkehrschaos in der Innenstadt; jahrelange Sperrung des Innenstadttunnels der Linien 3, 4 und 18 am Neumarkt;
– rund 100.000 Tonnen CO2-Ausstoß pro Tunnel-Kilometer
Die Umweltschützer*innen des Oben-bleiben-Bündnisses machen klar, dass der Bau dieses Tunnels „ein städtebauliches und klimapolitisches Desaster“ wäre und das Gegenteil einer Mobilitätswende. Denn ein oberirdischer Umbau der Ost-West-Achse sei viel preiswerter, umweltfreundlicher, barrierefreier und schneller möglich:
„Wir fordern, die Verkehrswende endlich konsequent anzugehen: durch den massiven netzförmigen Schienenausbau der KVB [Kölner Verkehrsbetriebe], durch Taktverdichtung, insbesondere auch auf der Ost-West-Achse, die Anbindung der Außenbezirke, mehr Personal zu guten Arbeitsbedingungen, den Ausbau von Rad- und Fußwegen und eine bessere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.“
Vielen Kölner*innen ist noch der katastrophale Einsturz des Stadtarchivs 2009 in schrecklicher Erinnerung, als beim Bau des Nord-Süd-Tunnels an der Severinsstraße mehrere Häuser zerstört und zwei Anwohner durch die Trümmer getötet wurden. Diese seit 2004 im Bau befindliche U-Bahn-Strecke der KVB wohl nicht vor 2030 komplett eröffnet werden können – kein gutes Vorbild für ein neues Stadtbahn-Bauprojekt unter der Innenstadt.
Wenn nun der Verkehrsausschuss Anfang 2025 erneut über den Änderungsantrag der Tunnelfraktionen abgestimmt hat, wird das Megaprojekt wohl auf der nächsten Ratssitzung am 13.02. zur Debatte stehen, in der auch über den geplanten Sparhaushalt entschieden werden soll. Grund genug also, nochmal ein breites Spektrum an Demonstrant*innen zu mobilisieren, um sowohl den Tunnelwahn der Betonfraktionen zu stoppen, wie auch die dramatischen Sozialkürzungen aufzuhalten.
Anarcho-Syndikalistisches Netzwerk – ASN Köln
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