Der Betreiber dieser europaweit größten Braunkohlegruben im Rheinischen Revier plant nämlich demnächst die Tagebau-Löcher Hambach und Garzweiler mit kostenlosem Rheinwasser zu füllen, um die heruntergewirtschaftete Industrieregion in ein lukratives Freizeitparadies mit Seeblick-Tourismus und Yachthafen zu verwandeln.
Dafür müsste jedoch der einsturzgefährdete Grubenrand abgesichert werden, damit es nicht zu solchen Katastrophen kommt, wie in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt). Dort waren 2009 bei einem massiven Erdrutsch zwei Häuser in einem Tagebaurestsee versunken, wobei drei Menschen zu Tode kamen. Um sowas zu verhindern, muss die RWE Power AG die steile Böschung mit Erdreich schräg abstützen. Aber möchte sich nicht die kostspielige Mühe machen, dafür den riesigen Aushub der „Sophienhöhe“ zu verwenden.
Stattdessen sollen rund 600 Hektar Land rund um das bereits weitgehend abgerissene Dorf Alt-Manheim komplett abgebaggert werden, samt dem kleinen Wäldchen hinter dem ehemaligen Sportplatz. Dieser Manheimer Erbwald wurde von den Dorfbewohner*innen früher „Sündenwäldchen“ genannt, weil sich wohl die Landbevölkerung aus den umliegenden Siedlungen dort heimlich vergnügt hatte.
Aus Widerstand gegen die geplante Umweltzerstörung für die Schaffung einer „Manheimer Bucht“ wurde das Waldstück, das ehemals zum weitläufigen Hambacher Bürgewald gehörte, Anfang Oktober 2024 besetzt. Seitdem sind rund um die Baumhäuser einige Hütten und Zelte als Bodenstrukturen aufgebaut worden. Die Besetzer*innen haben kürzlich sogar eine neue Küche in 4 m Höhe eingerichtet und freuen sich über vegane Lebensmittelspenden.








Seit Beginn der Waldbesetzung in Manheim haben wir als ASN Köln diese öko-soziale Widerstandsbewegung unterstützt, nicht nur durch Material- und Essensspenden. Auch haben wir über die meist sonntags stattfindenden Mahnwachen am Waldrand mehrfach auf Mastodon berichtet. Ende November fand außerdem erneut eine Protestaktion von Umweltschutzverbänden als „Rote Linie“ statt, bei der es nicht nur um die erhaltenswerte Waldfläche als Teil eines Flora-Fauna-Habitats Hambacher Forst ging. Sondern die rund 250 Demonstrant*innen richteten sich auch gegen die Pläne von RWE mittels einer Pipeline ab Dormagen die mit Giftstoffen hoch belasteten Tagebaulöcher jahrzehntelang mit Rheinwasser zu füllen.


Daher beteiligte sich neben Umweltschutz-Verbänden auch das Wasserbündnis Rheinisches Revier an der symbolischen Aktion zum Schutz der bedrohten Naturflächen am Tagebaurand. Denn außer der Rettung einiger vom Aussterben bedrohten Wildtiere geht es vor allem darum, weitere massive Grundwasser-Schäden in der Region zu verhindern. Solche im Rahmen der Umstrukturierung von Bergbau-Folgelandschaften angelegten künstlichen Seen zur Füllung von zuvor aufwändig entwässerten Tagebauen sind nämlich aus ökologischer Sicht höchst bedenklich.
Durch die schwefel- und eisenhaligen Mineralien im Boden entstehen trübe, übersäuerte Gewässer, in denen kaum Pflanzen und Tiere leben können. Auch für Menschen ist ein verockerter, saurer See nicht zum Baden geeignet, da der niedrige pH-Wert gesundheitsschädlich ist, solange er nicht regelmäßig mit tonnenweise Kalk neutralisiert wird. Im Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlerevier sind bereits zahlreiche Wasserflächen davon betroffen. Saure Grubenwässer sind weltweit verbreitete Bergbau-Folgeschäden, wobei für die milliardenschweren Ewigkeitskosten die Betreiberfirmen aufkommen müssen. Hinzu kommt, dass sie mit giftigen Schwermetallen, wie Quecksilber, belastet sind. Im Sommer diesen Jahres wurde zudem im Tagebau Garzweiler die illegale Entsorgung von schadstoffhaltigen Bauabfällen entdeckt.






Zur Flutung der etwa 400 m tiefen Kohlegruben müssen die zahlreichen Pumpstationen rund um den tausende Hektar großen Tagebau Hambach abgestellt werden. Diese speisen seit Jahrzehnten mit viel Aufwand die Gewässer der Region (z.B das Naturschutzgebiet Schwalm-Nette), um zu verhinderen, dass Grundwasser in die Abbauflächen sickert. Fließt dann erneut Grundwasser in die zu flutenden Gruben hinein, gelangen die schädlichen Chemikalien Sulfat und Eisenoxid nicht nur auf die Landwirtschaftsflächen, sondern auch in Bäche und Flüsse. Hinzu kommt, dass das Rheinwasser bei der Entnahme am Chemiepark Dormagen auch mit giftigen Abfallprodukten (wie PFAS) belastet ist.
Aufgrund der Erderhitzung wegen des vom Industrie-Kapitalismus verursachten Klimawandels wird es in Zukunft steigende Temperaturen geben, die das Oberflächenwasser stärker verdunsten lassen. Das kann sich in der gesamten Region auf die Luftfeuchtigkeit auswirken, wodurch an Hitzetagen und in „Tropennächten“ die Gesundheitsbelastung durch schwüles Wetter steigt. Sobald aufgrund der Gletscherschmelze und zunehmender Dürreperioden der Rhein wieder wegen extrem niedriger Pegelstände nicht mehr schiffbar sein wird, steht evtl. die Befüllung der Tagebauseen in Frage. In Zukunft wird brauchbares Wasser überall knapper und Trinkwasser noch kostbarer werden. Und bereits heute sind ungefähr 10% der Fläche Nordrhein-Westfalens von der bergbaubedingten Absenkung des Grundwassers betroffen.
Für den etwa 4,5 Jahre dauernden Bau der Rheinwasser-Transportleitung bis zu den Tagebauen Hambach und Garzweiler wird nun bald eine 70 m breite Trasse auf ca. 45 km Länge durch die Landschaft gezogen. Auf der Strecke liegt dabei auch das Naturschutzgebiet Knechtstedener Wald (bei Dormagen-Straberg), ein geschützes Flora-Fauna-Habitat als Lebensraum für gefährdete Tierarten und Pflanzen im Rhein-Neuss-Kreis. Für die Bauarbeiten entlang der Strecke sollen insgesamt über 6 Hektar Biotop-Strukturen gerodet werden (zur Hälfte Wälder und Gehölze). Diese sollen angeblich laut Rahmenbetriebsplan wiederhergestellt oder ersatzweise an anderer Stelle aufgeforstet werden, aber das wird viele Jahre dauern.
Die Großbaustelle für die Wasserleitung wurde bereits seit 2020 geplant und soll 2025 beginnen. Damit RWE ab dem vorgezogenen Braunkohleausstieg 2030 dann jahrzehntelang pro Sekunde bis zu 18 Kubikmeter Rheinwasser ableiten kann. Die Entnahmestelle liegt nicht nur direkt neben der Chemiefabrik in Dormagen, sondern genau zwischen zwei Naturschutzgebieten (Worringen und Urdenbach) in der rheinischen Fischschutzzone. Als Umweltbelastung kommen allein durch die klimaschädlichen Abgase der dieselbetriebenen Baufahrzeuge mehr als 30.000 t CO2 (Äquivalent) hinzu. Auch die Baumaterialien, wie Zement oder Stahl, sind bekannte Klimakiller, da bei ihrer energieintensiven Herstellung massiv giftige Treibhausgase ausgestoßen werden.


Als Anfang Oktober der RWE-Konzern den bevorstehenden Baubeginn ankündigte, haben daher einige Aktivist*innen vom Rheinischen Wasserbündnis eine erste Protestaktion nahe der geplanten Entnahmestelle organisiert. Darüber hinaus ist es weiterhin nötig, keine Hoffnung auf staatliche Hilfsprogramme, wie den Green New Deal, zu setzen. Sondern sich solidarisch zu zeigen mit der beim Braunkohle-Widerstand von Repression betroffenen Klimagerechtigkeitsbewegung. Beispielsweise anlässlich der Gerichtsverfahren in Folge der Kraftwerksblockaden durch die Schienenbesetzung „BlockNeurath“ (2021), die aktuell am Landgericht Mönchengladbach geführt werden.
Denn nur gemeinsam können wir die katastrophalen Folgen der Klimakrise des fossilen Kapitalismus selbstbestimmt bekämpfen. Und zusammen jedes Stück lebenswerter Umwelt für alle Menschen verteidigen – nicht nur im Rheinischen Revier, sondern weltweit.
Klimakrise stoppen: Kapitalismus abschaffen!
Anarcho-Syndikalistisches Netzwerk – ASN Köln

Kontakt zur Waldbesetzung:
Landkarte auf OpenStreetMap:
https://www.openstreetmap.org/#map=19/50.888397/6.597553
Anreise: S19 bis Buir, danach zu Fuß oder Fahrrad bis Alt-Manheim (aktuell: Schienenersatzverkehr ab Horrem).
Adresse: Berrendorfer Str./ Friedensstr. (das Dorf ist fast abgerissen und kaum noch beschildert)
Spendeninfos beim Hambi-Blog:
https://hambacherforst.org/sachspenden/
„Mahnwache Lützerath“:
https://mahnwache-luetzerath.org/unterstuetzen/
(https://climatejustice.social/@MaWaLuetzerath)
„Sündenwäldchen“ bei Instagram:
https://www.instagram.com/forest_of_sins/
Ältere Berichte zum Hambacher Forst:
„Workshops beim Hambi-Skillshare“ (2020)
„Arbeitssicherheit- und Brandschutz-Workshop im Hambacher Forst“ (2019)
„Waldspaziergang am Tagebau Hambach“ (2019)
Mehr zum Thema Umweltschutz:
https://asnkoeln.wordpress.com/umweltschutz/
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